Vortrag Lutz Mammel: Die Wiederentdeckung der Alblinse – Saatgutgeschichte und Anbau

Öffentlicher Vortrag am Sonntag, 10.07.2022 um 14 Uhr, Hörsaal der Botanik, Auf der Morgenstelle 3

In Kooperation mit dem Ernährungsrat Region Tübingen-Rottenburg e.V. bietet der Botanische Garten am kommenden Sonntag, den 10. Juli einen Vortrag mit Lutz Mammel an. Der Lauteracher Diplomlandwirt berichtet über die historische Bedeutung des süddeutschen Linsenanbaus, dessen Niedergang und die erfolgreiche Wiederentwicklung eines praktikablen Anbausystems für und mit der regionalen Biolandwirtschaft.
Im Anschluss besteht die Möglichkeit, im Foyer des Botanischen Gartens die Ausstellung Schmetterlingsblüte & Hülsenfrucht anzuschauen.


Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Das Hülsenfrüchte-Projekt wird gefördert durch Brot für die Welt, Kreissparkasse Tübingen und einen SWT-Umweltpreis.

Der Alblinse auf der Spur!

Ernährungsrat und Grüne Werkstatt besuchen das Alblinsen-Projekt in Lauterach

Über viele Kurven, grüne, hügelige Landschaften und durch urige Dorfkerne ging es am Mittwoch, 25. Mai, quer über die Alb nach Lauterach (Alb-Donau-Kreis). 15 Teilnehmende des Ernährungsrates, Multiplikator*innen des Hülsenfrüchte-Projekts und Aktive der Grünen Werkstatt des Botanischen Gartens unternahmen eine Exkursion zum Albleisa-Projekt. Vor Ort erwartete sie bereits Lutz Mammel, Sohn von Woldemar Mammel, der im Jahr 2007 bis nach Sankt Petersburg reiste, um das Saatgut der Alblinse zu retten, das sich auf der Alb bereits verloren hatte. Lutz Mammel ist heute für das Albleisa-Projekt, das es nun seit 2009 gibt, als Geschäftsführer zuständig. Mittlerweile wird die Alblinse auf 450 Hektar angebaut und 140 Kleinbauern und -bäuerinnen der Schwäbischen Alb beliefern das Albleisa-Projekt. Vor Ort in Lauterach finden die Verarbeitung und Vermarktung statt. Beziehen kann man die Alblinsen-Produkte inzwischen auch per Internet, vor Ort im Lädele, in verschiedenen kleinen Bio- und Hof-Läden und manchmal kommen auch noch Bestellungen per Brief rein.

Lutz Mammel gab auf alle Fragen der Teilnehmende ausführliche Antworten und erläuterte beispielsweise die Besonderheiten beim Anbau der Alblinse sowie Unterschiede zwischen den verschiedenen Sorten (z.B. Späth I, Späth II, marmorierte Grüne, etc.). Ebenfalls ging es um die Frage, wie die Zusammenarbeit mit den teilnehmenden Mitgliederhöfen des Albleisa-Projekts funktioniert, die in jährlichen Vollversammlungen zusammenkommen und sich dort über Themen wie Abnahmepreis und Wahl der Stützfrucht besprechen. Interesse erweckten ebenso die weiteren regionalen Produkte, die das Albleisa-Projekt betreibt, wie etwa Leindotter, Nacktgerste und Lupinenkaffee. Viele dieser Produkte konnten die Teilnehmenden anschließend im Lädele erkunden und z.T. probieren, wie etwa einen aus regionalem Buchweizen hergestellten Brand. Der zweite Teil der Exkursion führte aus dem Dorf hinaus auf einen Acker, wo der Mitarbeiter des Albleisa-Projekts Franz Häussler Wissenswertes rund um den Anbau der Alblinse erklärte. Auf dem Feld gab es eine Mischkultur zu besichtigen aus Alblinse, Gerste und Buchweizen. So benötigt die Linse immer eine Stützfrucht, die etwa zur gleichen Zeit erntereif sein muss. Die Gerste wiederum wird auch regional vermarktet, beispielsweise in der Ehinger Bergbierbrauerei. Der Alblinsen-Anbau erfolgt entsprechend der Bioland-Richtlinien ohne Einsatz von Pestiziden und Kunstdünger, durch den Anbau in Mischkultur ist dies ohnehin nicht erforderlich, da Linsen bzw. Hülsenfrüchte im Allgemeinen selbst Nährstoffträger sind und Böden mit Stickstoffen beliefern. Allerdings können Felder nur alle sechs Jahre mit Linsen bewirtschaftet werden, damit sich die Bodenfruchtbarkeit erholt, dies macht einen Anbau im Rotationssystem erforderlich.

Mit der Exkursion konnten die Teilnehmenden vielfältige Eindrücke vom Linsenanbau und -verarbeitung mit nach Hause nehmen. Insbesondere die Multiplikator*innen des Projekts Hülsenfrüchte-Vielfalt haben damit neue Anregungen für kommende Workshops mit Schulklassen gewinnen können. Derzeit bietet der Ernährungsrat Workshops zum Thema Hülsenfrüchte-Vielfalt für Grundschulen und Unterstufe an. Die Multiplikator*innen wurden in Kooperation mit dem EPiZ Reutlingen, Genbänkle e.V. und der Grünen Werkstatt ausgebildet und stehen für Anfragen zum Thema Hülsenfrüchte-Vielfalt zur Verfügung. Für die breite Öffentlichkeit gibt es am 10. Juli um 14 Uhr im Botanischen Garten der Universität Tübingen einen Vortrag mit Lutz Mammel über die Wiederentdeckung der Alblinse.

Bildungsangebot zur Hülsenfrüchtevielfalt für Schulklassen in Tübingen

Diesen Sommer plant der Ernährungsrat Region Tübingen und Rottenburg e.V. gemeinsam mit Genbänkle e.V., EPiZ und Der Grünen Werkstadt (Botanischer Garten) Bildungsangebote an Grundschulen und Unterstufe rund um das Thema Hülsenfrüchte. Für die Durchführung des Projekts hat der Ernährungsrat einen Jury-Preis bei der Ausschreibung des Swt-Umweltpreis gewonnen.

Die Workshops können folgende Schwerpunktthemen beinhalten:

  • Ökologischer Fußabdruck von Hülsenfrüchten (im Verhältnis mit Fleisch)
  • Regionale Sortenvielfalt von Hülsenfrüchten (z.B. Schwabenbohne, Albleisa,..)
  • Ursprung von Bohne, Linse & co und ihr Weg vom Feld zum Teller
  • Lokal & global: Hülsenfrüchte-Vielfalt und ihre kulturelle Bedeutung in verschiedenen Regionen
  • Naturwissenschaftliche Aspekte und Potentiale von Hülsenfrüchten für Boden und Biodiversität

Sie sind Lehrkraft oder an einer Schule tätig und haben Interesse an einem Workshop? Dann melden Sie sich gerne unter ernaehrungsrat-tuebingen@posteo.de

Aktionstage Hülsenfrüchte-Vielfalt

Hülsenfrüchte sind wahre Alleskönner: Sie sind wertvolle pflanzliche Proteinquellen, sie tragen zur Bodenfruchtbarkeit und regionalen Sortenvielfalt bei und wirken sich darüber hinaus positiv auf die Klimabilanz aus. Mit etwa 2kg/Jahr landen jedoch noch viel zu wenig Bohnen, Linsen, Erbsen & co auf unseren Tellern als für eine gesunde und klimabewusste Ernährung erforderlich wäre!

Der Ernährungsrat Region Tübingen-Rottenburg e.V. hat für das Jahr 2022 daher einen Schwerpunkt auf das Thema Hülsenfrüchte gelegt. Für das Projekt ‚Aktionstage Hülsenfrüchte-Vielfalt‘ hat der Ernährungsrat eine Förderung durch den Stadtwerke-Umweltpreis erhalten! Zusammen mit Genbänkle e.V., EPiZ, der Grünen Werkstatt im Botanischen Garten und Telar e.V. planen wir im Sommer Aktionstage an Grundschulen (evtl. auch Unterstufe) und suchen dafür Multiplikator*innen, die Workshops leiten möchten. Themen sind u.a. der ökologischer Fußabdruck von Hülsenfrüchten (im Vergleich zu Fleisch), Herkunft und Weg vom Acker zum Teller, regionale Sortenvielfalt, kulturelle Diversität in der Zubereitung und Rezepte zum Ausprobieren sowie praktische Aktivitäten in Verbindung mit Schulgärten. Zur Vorbereitung bieten wir eine Fortbildung an, bei der 15 Multiplikator*innen eine Schulung zu regionaler Sortenvielfalt und Bildung für Nachhaltige Entwicklung erhalten, um gemeinsam die Workshops zu entwickeln.

Hast Du Interesse, selbst als Multiplikator*in mit den Workshops aktiv zu werden? Dann melde Dich für die Fortbildung am 19. März an! Anmeldung bis 01. März: ernaehrungsrat-tuebingen@posteo.de

Plenum am 02.12.2021

Am Donnerstag, den 2. Dezember, haben sich rund 18 Interessierte online zum offenen Plenum des Ernährungsrates Region Tübingen-Rottenburg e.V. getroffen. Nach einem kurzen Austausch in Breakout-Rooms zu den Fragen „Was motiviert dich mitzumachen?“ sowie „Was sind deine Herzensthemen?“, gab Birgit Hoinle (Sprecherin Ernährungsrat) den Vorstandbericht. Darin berichtete sie u.a. über die Aktivitäten des Ernährungsrates seit der Vereinsgründung am 13. Juli 2021, wie u.a. die Organisation des Erlebnistag für eine zukunftsfähige Ernährung am 24. Juli und die erfolgreiche Bewerbung für den swt-Umweltpreis, bei dem der Ernährungsrat den Jury-Preis für die Projektidee „Linsenvielfalt-Aktionstage“ gewonnen hat.

Im Anschluss stellte Johannes Lauterbach die Vereinsstruktur des Ernährungsrates vor, die sich aus Fachbeirat, Koordinationskreis (beide zusammen bilden den Lenkungskreis) und den Arbeitsgruppen, in die sich die aktiven Mitglieder einbringen, zusammensetzt. Judith Engelke (Sprecherin Ernährungsrat) berichtete anschließend über den vergangenen Workshop am 12. November 2021, bei dem erstmals der Fachbeirat mit dem Koordinationskreis zusammentraf, um erste Überlegungen für die Entwicklung einer Ernährungsstrategie für die Region Tübingen-Rottenburg anzustellen. Was eine Ernährungsstrategie auszeichnet, welche Themen sie beinhalten kann und welche Schritte für die gemeinsame Erarbeitung in einem breiten Beteiligungsprozess zu unternehmen sind, stellte Judith in ihrer Präsentation dar.

Im zweiten Teil des Treffens wurde der Raum für den Austausch in den AGs eröffnet. Neu dabei waren die AGs „Welternährung“ sowie „Biodiversität in der Landwirtschaft“. Außerdem konnten neue Teilnehmer*innen mehr über die Aktivitäten der bereits bestehenden AGs Bildung und nachhaltige Gemeinschaftsverpflegung erfahren.

Die nächsten Schritte zur Erarbeitung der Ernährungsstrategie werden in den AGs stattfinden. Dafür sind alle AGs beauftragt, bis zum nächsten Treffen im Lenkungskreis (02. Februar 2022), sich zu folgenden Fragen zu besprechen und anschließend über die AG-Vertreter*innen in den Lenkungskreis wieder einzubringen:

  • Was sind eure Themen für die Ernährungsstrategie?
  • Habt ihr konkrete Projektideen?
  • Welche Akteure in eurem Themenbereich erscheinen euch relevant für die Ernährungsstrategie?
  • Welche Beteiligungsformate erscheinen euch geeignet?
  • Benennt eine Person, die eure AG im Koordinationskreis vertritt!

Die Termine der nächsten AG – Treffen sind hier zu finden: https://ernaehrungsrat-tuebingen.de/termine/

Jurypreis beim swt-Umweltpreis 2021

Der Ernährungsrat ist Jurypreisträger (5. Platz) des Umweltpreises der Stadtwerke Tübingen und hat damit 1250 Euro für das Projekt „Linsenvielfalt-Aktionstage an Schulen“ gewonnen. Vielen Dank an alle, die im Vorfeld für unser Projekt abgestimmt haben und natürlich Danke an die Stadtwerke Tübingen für den Preis und damit die Unterstützung unserer Arbeit!

Erster Workshop mit Fachbeirat und Koordinationskreis

Am 12.11. haben sich Fachbeirat und Koordinationskreis zum ersten Mal zu einem Workshop getroffen, bei dem vor allem um die Erarbeitung einer Ernährungsstrategie ging.

Wir haben uns angeschaut, was eine Ernährungsstrategie überhaupt ist, wozu sie nützlich sein kann und wie sie z.B. bei anderen Ernährungsräten aufgebaut ist. Danach wurde direkt mit sehr viel Energie los diskutiert und geplant 🙂

Wollen wir auch eine Ernährungsstrategie für die Region Tübingen und Rottenburg? Wenn ja, wie konkret soll die Ernährungsstrategie formuliert sein? Gehen wir von bereits bestehenden ES aus oder starten wir ganz von vorne? Welche Themen sind uns in der Region wichtig? Wie schaffen wir eine möglichst breite Beteiligung vor allem auch von Menschen aus dem Lebensmittelhandwerk und aus der Landwirtschaft? Wie sprechen wir unterschiedliche Zielgruppen an? Welche Formate braucht es dazu? …

Wir waren uns einig, dass die Ernährungsstrategie vor allem als Agenda für konkrete Umsetzungsschritte und als Lobbyinstrument hilfreich ist. Außerdem schafft sie Transparenz und Öffentlichkeit. Ziel ist es, dass wir im Sommer 2023 eine Strategie ausformuliert haben, die dann alle wichtigen Themen der Region beinhaltet und die in allen Punkten vom Gemeinderat beschlossen wird.

Es darf aber nicht nur bei einem schönen Papier bleiben; parallel sollen in den thematischen Arbeitsgruppen konkrete Leuchtturmprojekte festgelegt und umgesetzt werden!

Damit starten wir dann schon ab dem nächsten Plenum am 02.12.2021.

Also, wer gerne mit dabei sein will und die Ernährungsstrategie mit Leben füllen möchte, meldet euch! 🙂

Zum Nachschauen: „Unsere Ernährung mitgestalten! Wie sich der Ernährungsrat für die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Ernährungswege in der Region einsetzt.“ Vortrag im LebensPhasenHaus

Am 5.11.2021 hat Dr. Birgit Hoinle im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt: LebensPhasenHaus – wie wollen wir in Zukunft leben?“ darüber gesprochen, wie sich der Ernährungsrat für die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Ernährungswege in der Region Tübingen und Rottenburg einsetzt.

Die Veranstaltung kann man sich auf Youtube unter folgendem Link anschauen:

https://www.youtube.com/watch?v=pJXEA72ytBE

Viel Spaß!

Unsere Ernährung mitgestalten! Wie der Ernährungsrat sich für die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Ernährungswege in der Region Tübingen/Rottenburg einsetzt.

Am 5.11.2021 wird Dr. Birgit Hoinle im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Treffpunkt: LebensPhasenHaus – wie wollen wir in Zukunft leben?“ darüber sprechen, wie sich der Ernährungsrat für die gemeinsame Gestaltung nachhaltiger Ernährungswege in der Region Tübingen und Rottenburg einsetzt.

Weitere Informationen zum Vortrag sowie den Link zum Livestream finden Sie unter:

https://lebensphasenhaus.de/de/angebot/events/

Online-Vortrag „Auswirkungen von Covid-19 auf Nahrungssysteme“

Im Rahmen des Jahresveranstaltungsprogrammes des Umweltzentrum Tübingen e.V. findet am 13.10. um 19 Uhr ein Online-Vortrag zum Thema „„Auswirkungen von Covid-19 auf Nahrungssysteme“ statt.

In diesem Vortrag wird ein Blick auf die Schwachstellen unseres Ernährungssystems geworfen und die Chancen aufgezeigt, die aktuelle Situation zu nutzen, um unser Ernährungssystem resilienter zu gestalten und den globalen Ernährungszustand zu verbessern.

Die Referentin Franziska Bürker ist Soziologin, beim Ernährungsrat Region Tübingen und Rottenburg sowie der Lokalgruppe der Menschenrechtsorganisation FIAN e.V. aktiv.

Den Link zur Veranstaltung finden Sie auf der Website des Umweltzentrums: https://umweltzentrum-tuebingen.de/