Vernetzungsveranstaltung aller TübingerErnährungsinitiativen am 8.5.2026 auf dem Berghof Tübingen
Veranstaltende: Ernährungsrat Region Tübingen und Rottenburg e.V. | Berghof Tübingen | Umweltzentrum Tübingen | Mehrrettich e.V.
Gut 25 Akteurinnen und Akteure aus der Tübinger Ernährungslandschaft kamen am 8. Mai 2026 auf dem Berghof zusammen – zum ersten Mal in dieser Breite. Diese Dokumentation hält die zentralen Ideen, Angebote und politischen Impulse des Abends fest.
1. Hintergrund und Einladung
In Tübingen brennen viele Menschen und Gruppen für nachhaltige, faire und zukunftsfähige Ernährung – und doch kennen sich die Initiativen oft kaum. Wer sich kennt, kann mehr bewegen. Gemeinsam entstehen Ideen und Initiativen, die alleine nie möglich wären. Genau diese Energie wollten wir bündeln.
Programm des Tages
- Gemeinsames Gemüse-Schnibbeln – jede Initiative brachte eine Zutat mit, die für sie steht, und kochte mit allen zusammen
- Thementische im Kuhstall, im Lernort und unter den Bäumen
- Hofführung über den Berghof mit Einblicken in landwirtschaftliche Praxis und Bildungsarbeit
- Gemeinsames Abendessen als Abschluss und Raum für weiteren Austausch
2. Pinnwand: Ich suche – Ich biete
Eine Pinnwand machte sichtbar, was in der Tübinger Ernährungslandschaft gesucht und angeboten wird – ein lebendiges Bild gegenseitiger Ressourcen und Bedarfe.

Ich suche
- Gießpaten für den Lernort-Hofgarten – Interesse? Mail an lernort-berghof@kit-jugendhilfe.de
- Lebensmittelspenden, wenn was übrig & zu viel (und Drogerieartikel) – Tafel
- Gartenstück für Gemüseanbau & Kräuterworkshops
Ich biete
- Toller Ort mit toller Aussicht, teils Kuhgesellschaft zum Sein + kleinen Teil der Ernte
- Lastenrad zum Ausleihen auf Anfrage (nachmittags, ggf. Sonntags) – Tafel
- Ggf. Fördergelder für Koop-Projekte, aber wenig Kapas für Umsetzung – Tafel
- Saatgut & Bezugsquellen besonderer Gemüsesorten – Elke
- Schönes Café als Begegnungsort ohne Konsumzwang & viele gerettete Lebensmittel – Café Mehrrettich
- Jeden letzten Montag im Monat, 19 Uhr: vegane KüFa (Küche für Alle) – Die Schranne, bei der Fruchtschranne 6
3. Thementisch 1 (Kuhstall): Wie kann Ernährung in Tübingen KUHler werden?
Die Diskussionen kreisten vor allem um drei Pole: mehr Sichtbarkeit und cooles Auftreten regionaler Ernährung, bessere Zugänglichkeit zu Flächen und Ressourcen sowie das gemeinsame Erleben als Kitt der Ernährungskultur.
| Leitfragen des Thementisches: Womit hat eure Initiative schon gute Erfahrungen gemacht – was hat wirklich funktioniert? Welche Themen oder Projekte fehlen euch noch in der Tübinger Ernährungslandschaft? Was wäre eure mutigste Vision für eine lebendige Ernährungskultur in Tübingen? |

4. Thementisch 2 (Lernort): Wie kann Vernetzung zwischen Ernährungsinitiativen gelingen?
| Leitfragen des Thementisches: Was erwartet ihr von einer guten Vernetzung – welchen konkreten Nutzen soll sie bringen? Wo wünscht ihr euch Austausch: eher zu Methoden und Arbeitsweisen oder zu inhaltlichen Themen? Welche Form der Zusammenarbeit wäre für eure Initiative realistisch und wertvoll? Welche Rolle könnte ein regionaler Ernährungsrat bei der Vernetzung spielen – als Plattform, als Stimme, als Koordinator? |

5. Thementisch 3 (Unter den Bäumen): Wie bringen wir Ernährung wieder auf die politische Agenda?
| Leitfragen des Thementisches: Welche Themen und Bedarfe sind aus eurer Sicht politisch am dringlichsten? Welche Wege haben sich bewährt, um Stadt oder Landkreis aufmerksam zu machen? Wen brauchen wir als Verbündete – und wer fehlt noch am Tisch?Welche Rolle könnte ein regionaler Ernährungsrat einnehmen, um Ernährungsthemen politisch sichtbarer zu machen? |

6. Zusammenfassung und nächste Schritte
Die Veranstaltung hat eine bemerkenswerte Vielfalt an Ideen, Angeboten und politischen Impulsen sichtbar gemacht. Aus der Gesamtschau der drei Thementische und der Pinnwand lassen sich folgende thematische Schwerpunkte ableiten:
Thematische Cluster
A – Infrastruktur, Raum & Sichtbarkeit
- Bedarf an zugänglichen Flächen für Gärten, Anbau und Gemeinschaftsverpflegung
- Wunsch nach einer ästhetisch ansprechenden, zeitgemäßen Darstellung von Ernährungsinitiativen („cool machen“)
- Transparenz & Sichtbarkeit regionaler Produktion als zentrales Anliegen
- Essbare Stadt, Gemeinschaftsgärten, Lernorte als verbindende Projekte
B – Vernetzung & Koordination
- Wunsch nach einer kuratierten Akteurs-Landkarte für die Tübinger Ernährungslandschaft
- Klarer Ruf nach einer Koordinationsrolle des Ernährungsrats
- Vermarktungsplattform, die für alle Akteure einen Mehrwert schafft
- Regelmäßige Formate zum Kennenlernen und Synergien-Heben
C – Politische Agenda & Strukturwandel
- Ernährungsarmut und fehlendes Geld für gesundes Essen als dringlichste politische Frage
- Kostenfreie Kita- und Schulverpflegung als konkrete Forderung
- Flächenpolitik: Schutz landwirtschaftlicher Flächen bei Neubaugebieten, Kleingarten-Recht
- Bildung: Ernährung in den Schulen, Wildkräuterpfade, mehr Schulgärten
- Ernährung ist in der politischen Debatte strukturell unterrepräsentiert – Sichtbarkeit gezielt erhöhen
- Nächste Schritte
- Akteurs-Landkarte als konkretes Folgeprojekt initiieren
- Politische Forderungen (Schulessen, Flächenschutz) als Beschluss des Ernährungsrats formulieren
- Angebote und Gesuche von der Pinnwand bilateral vermitteln
- Folgetermin für das nächste Vernetzungsformat festlegen – Vorschlag: Herbst 2026
Ein großes Dankeschön an alle Teilnehmenden für eure Zeit, eure Energie und die einmalige Art, mit der ihr euch in unsere Vernetzungsveranstaltung eingebracht habt. Was am 8. Mai auf dem Berghof entstanden ist, ist eine lebendige, ehrliche und kreative Begegnung zwischen Menschen, die alle auf ihre Weise für eine bessere Ernährungskultur in Tübingen brennen!
Wir freuen uns sehr auf die Fortsetzung dieser fruchtbaren Zusammenarbeit und sind gespannt auf alle Impulse, Ideen und Initiativen, die in den kommenden Tagen und Wochen daraus entstehen.

